Erfahrungsbericht Packraft: Nortik Trekraft (ohne Verdeck)

Ende 2014 kam das Nortik Trekraft auf den Markt. Als ich es Anfang 2015 gekauft habe, gab es noch kaum Erfahrungsberichte. Die Packrafts vom Marktführer Alpacka waren mir zu teuer und das Boot machte bei einer Probefahrt einen guten Eindruck. Ich habe mir das Boot ohne Verdeck gekauft und um es kurz zu machen, den Kauf nicht bereut. Es gibt jedoch einige Punkte, die Interessenten des Bootes wissen sollten.

Zuerst die Formaldaten zum Nortik Trekraft ohne Verdeck:
Länge:            230 cm
Breite:            92 cm
Gewichte:       Boot 2.7 kg | Sitz 0,15 kg | Befüllsack 0,26 kg | Packtasche 0,13 kg
Packmaß:      50 x 25 cm
Material:        Hochleistungs-Ultraleicht-TPU
Farben:          orange oder dunkelgrün, Boden jeweils schwarz (meines ist grün)
UVP:             599.- (Stand Oktober 2015)

Hinweis: Die Angaben zum Gewicht habe ich der Herstellerinfo entnommen, sie differieren etwas zu den Angaben vom Packraft-Store.

Warum habe ich mich für dieses Boot und diese Konfiguration entschieden?

  1. Der Preis
  2. Der Preis
  3. Der Preis
  4. Das Orange finde ich hässlich, ich war froh, dass ich als einer der ersten ein grünes Boot bekommen habe. Allerdings ist auch im grünen Boot der Sitz orange
  5. Die Konfiguration ohne Spritzdecke ist leichter, günstiger und hat ein kleineres Packmaß. Außerdem kann man so leichter großes Gepäck oder Kinder mitnehmen. Die Nachteile im Wildwasser und bei Regen/Kälte nehme ich dafür bewusst in Kauf. Außerdem ist das Ein- und Aussteigen ohne Spritzdecke einfacher.

Ich habe das Boot bei verschiedenen Einsatzzwecken intensiv genutzt:

  • Diverse Touren auf der Isar. U.a. mit häufiger Grundberührung (ohne erkennbare Schäden)
  • Mini-Packraft Tour mit Kind
  • Echte Packrafttour (d.h. mit eigener Muskelkraft zurück)
  • Planschbecken für die Kinder (Mit Wasser gefüllt und zum Schutz Plane untergelegt)
  • Badeboot für die Kinder
  • Tagestouren auf finnischen Seen
  • Transportboot für Übernachtungstour im finnischen Seengebiet (Zwei Kinder sitzen mit Packraft und werden vom Doppelkajak gezogen)

Bei allen diesen Einsatzszenarien hat sich das Nortik Trekraft bestens bewährt. Ich habe ein paar Einschränkungen festgestellt, die jedoch weniger an diesem Produkt, als am Packraft an sich liegen:

  1. Wenn man das Packraft dabei hat, ist der Rucksack voll. Es kommen neben dem eigentlichen Packraft der Befüllsack, ein Paddel, eine Schwimmweste, ein Rettungsmesser, ein erste Hilfe Set, ein Wurfsack, Paddel- und Ersatzkleidung mit. Auf einen Helm habe ich bisher verzichtet. Beim Zubehör und bei meiner restlichen Trekking- und Übernachtungsausstattung achte ich sowieso schon intensivst auf Gewicht und Packmaß. Mir ist es schleierhaft, wie andere Packrafter es schaffen mit Packraft Mehrtagestouren zu  unternehmen und deren Rucksack nicht aus allen Nähten quillt. Mit den Packrafts von Alpacka kann man sicher noch ein paar Gramm und ein bischen Packmaß gut machen, aber das sollte nicht entscheidend sein.
  2. Das Packraft ist auf Seen Kajaks geschwindigkeitsmässig haushoch unterlegen. Gegen meine Frau im Doppelfaltboot Aerius II von Klepper habe ich keine Chance. Und das Klepper (und meine Frau) ist für seine aerodynamische Wasserführung nicht gerade berühmt.

Am Boot sind mir ein paar kleinere Dinge aufgefallen, auf die man achten muss, oder die man besser machen könnte.

Der Befüllsack ist ziemlich groß und relativ schwer. Der Sack sieht auf dem ersten Blick wasserdicht aus, da er über einen Rollverschluss verfügt. Ein wasserdichter Befüllsack wäre eine prima Idee, die die robuste Bauart rechtfertigen würde. Allerdings ist unten natürlich das Loch zum Befüllen des Boots angebracht. Schön wäre es, wenn dafür ein Stopfen mitgeliefert würde. Dann könnten man den Befüllsack als wasserdichten Transportsack nutzen.

Wenn das Boot einen Schwachpunkt hat, dann das Ventil zum Auffüllen des restlichen Drucks mit dem Mund:

  1. Ein kleineres Problem ist, dass das Ventil beim Aufblasen pfeift. Ich komme mir da immer wie bei der Entenjagd vor. Außerdem baue ich mein Boot gerne unbemerkt von der Öffentlichkeit auf, das ist mit dem quitschenden Ventil nicht möglich. Naja, vielleicht lerne ich noch eine Melodie, dann kann ich mir was dazu verdienen.
  2. Was mir auch lieber wäre, wenn das Ventil so angebracht würde, dass man es beim Fahren erreichen kann und ggf. Luft nachblasen kann. Bei Pausen und großer Hitze bzw. praller Sonne lasse ich immer Druck aus dem Boot um einen Überdruck zu verhindern. Manchmal reicht dann das Nachblasen vor Fahrtantritt nicht aus.
  3. Wenn etwas bei diesem Boot einen schwerwiegenden Schaden nehmen kann, dann sehe ich das am ehesten bei der Verbindung Boot zu Ventil. Das Ventil ist ziemlich lang und hat deshalb einen langen Hebel. Wenn man beim Zusammenfalten nicht aufpasst, könnte diese Verbindung Schaden nehmen. An dieser Stelle ist eine Reparatur mit Sicherheit sehr schwierig durchzuführen. Bei meinem Boot hat sich der Ventilstutzen durch das Zusammenlegen schon verbogen. Dies ist aber kein Problem, da das Material flexibel ist und nicht leicht bricht. Ich muss hier noch an meiner Zusammenlegtechnik feilen.

Das Nortik Trekraft hat ein hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis. Ich habe den Kauf bisher nicht bereut und würde mir das Boot wieder kaufen. Allerdings steht auf meiner persönlichen Wunschliste ein Packraft von Alpacka relativ weit oben, diesmal mit Spritzdecke um auch Ausflüge ins Wildwasser III unternehmen zu können.

Update vom 24.05.2016:

Ich habe das Nortik Trekraft jetzt schon ein Jahr und dabei sehr häufig eingesetzt. Ich hatte häufige Grundberührungen und behandle das Boot längst nicht mehr so vorsichtig wie am Anfang. Am Ufer und an flachen Stellen schruppe ich immer mal wieder über das Kiesbett. Das Boot hat noch keine Löcher oder schadhafte Stellen davon getragen,.

Mir ging inzwischen der Stopfen vom Sitzenkissen verloren, aber das ist meine eigene Schuld. Den Stopfen habe ich mit einem zurechtgefeilten und farblos lackierten Holzdübel improvisiert. Nach einigen Fehlversuchen verschliesst er jetzt dicht.

Bilder:

Erklärung:

Ich bekomme keinenerlei Unterstützung von den genannten Herstellern oder Händlern. Dieser Bericht spiegelt meine eigenen subjektiven, aber unabhängigen und unbeeinflussten Erfahrungen wieder. Wer andere Erfahrungen (oder auch ähnliche) hat, kann diese gerne kommentieren.

Der Abenteuer-Almanach hat den Outdoor Blogger Codex unterzeichnet.
Outdoor Blogger Codex Siegel

Kommentar verfassen