Fels in der Ostsee: Der Leuchtturm Bengskär

Wann beginnt eine Reise? Mit dem Kofferpacken, mit dem aus dem Haus gehen oder mit der ersten Idee? Diese Reise begann mit einem Spaziergang durch den schönsten Park den ich kenne: dem Katariinan Meripuisto in Kotka an der Südküste von Finnland. Im Park hat es mir besonders eine Sammlung von Modellen finnischer Leuchttürme angetan. Beim ersten Anblick der Leuchtturmmodelle viel mir sofort der Leuchtturm von Bengskär auf. Eine Recherche im Internet hat ergeben, dass man auf diesem Leuchtturm sogar übernachten kann. So wurde vor einigen Jahren eine Idee geboren, die dieses Jahr endlich in die Tat umgesetzt werden konnte.

Wir starten unsere Reise in Kasnäs. Auf einem kleinen Boot geht es durch ein wunderschönes Schärengebiet auf die Insel Rosala wo uns eine Führung, eine sehr gute Fischsuppe, ein Wikingerdorf und ein langweiliger Film über Wikingermythen erwarten. Rosala war ein netter Zwischenstopp, aber auf meine “muß-man-unbedingt-gesehen-haben-Liste” schafft es Rosala nicht. Die Fahrt durch die Schären war allerdings ein Genuss.

Fahrt durch die Schären

Wieder zurück auf dem Boot Richtung Bengskär haben wir einen ordentlichen Wellengang. Ich stehe auf dem Oberdeck der kleinen Nussschale und fühle mich wie auf einer Achterbahn und frage mich wie sich diese Schaukelfahrt mit den finnischen Sicherheitsrichtlinien in Einklang bringen lassen. Aber schon erscheint ein Bootsfrau und bittet uns oben in die Hocke zu gehen, damit keiner über das Geländer fällt. Am Horizont sieht man bald das Ziel: Ein kleiner Felsen mit einem Turm am Ende der Welt, wie es scheint.

Bengskär

Der Leuchtturm liegt auf einer kleinen Insel als letztes Bollwerk bevor es über die weite Ostesse Richtung Süden geht. Der Platz für den Leuchtturm ist gut gewählt. Bengskär kann südlich von großen Schiffen problemlos passiert werden, aber wehe ein Schiff würde Bengskär Richtung Norden passieren, es wäre im Schärengebiet hoffnungslos verloren und würde bald auf eine Untiefe auflaufen.

Auf Bengskär werden wir Übernachtungsgäste schon erwartet. Wir bekommen unsere Zimmer zugeteilt und alsbald eine kleine Führung über die Insel. Die Zimmer sind karg eingerichtet und ohne eigenes Bad. Wir schlafen zu viert in einem Zimmer, fast so wie das Leuchtturmpersonal vor 100 Jahren.

Blick aus dem Zimmer
Leuchtturm von Bengskär
Im Turm

Wir fühlen uns auf der Insel sofort wohl und gehen auf Entdeckungstour. Und obwohl die Insel praktisch nur aus dem Leuchtturm besteht und etwas Fels drumherum, gibt es viel zu entdecken: Ein kleines Leuchtturmmuseum, eine Kapelle, ein Bunker, ein Geocache und natürlich der Felsen der ideal ist zum laufen, springen, erkunden, in der Sonne liegen und einfach bewundern.

Wir werden bestens mit Kaffee und Abendessen versorgt. Ein Highlight ist natürlich die Abendsauna. In einem eigen kleinen Saunahäuschen kann unsere Familie exklusiv die Sauna eine Stunde nützen. Es gibt eine traumhafte und geschützte Badestelle in der Ostsee. Wieso in die Südsee fahren, wenn es hier so herrlich ist?

Badestelle an der Sauna
Blick aus der Sauna

Richtig schön wird es, wenn am späten Nachmittag die Tagesgäste abreisen und Ruhe einkehrt. Die wenigen anderen Übernachtungsgäste verlaufen sich, so dass wir gefühlt den Felsen für uns alleine haben. Ein weiteres Highlight ist der Sonnenuntergang. Das Abendessen ist wunderbar, aber danach zieht es uns sofort wieder nach draußen. Wir haben Vollmond und am Horizont ziehen Frachtschiffe, Fähren und Kreuzfahrtschiffe vorbei. In der Nacht steigen wir mit Taschenlampen den Leuchtturm hinauf. Es fühlt sich an, als wäre man mitten in einer Geschichte von Enid Blython und den „Fünf Freunden“. Wir schlafen gut in dieser Nacht.

Begskär bei Nacht

Bevor ich einschlafe denke ich noch an die Führung im kleinen Museum. Im zweiten Weltkrieg gab es Kampfhandlungen zwischen Russen und Finnen um Bengskär. Die Einschusslöcher in der Zwischentür zeugen noch heute davon, die das letzte sind was ich sehe, bevor ich einschlafe.

Unser Zimmer mit Einschusslöchern in er Zwischentür

Am nächsten genießen wir bei bestem Essen (Frühstück, Lunch und Kaffee) das Inselleben. Hier haben zur Eröffnung 30 Menschen (davon 20 Kinder) dauerhaft gelebt. Der Aufenthalt ist wirklich ein Erlebnis, aber hier länger Zeit verbringen (Wochen, Monate ?), kann ich mir schwer vorstellen. Am Nachmittag geht es zurück Kasnäs. Lebe wohl Bengskär, es war eine schöne Zeit.

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