Packraften und Müll einsammeln

Wir haben es in weiten Teilen Europas geschafft die Natur großflächig zu vergiften, bebauen, zerstören, begradigen, betonieren oder zu kanalisieren. Und da wo es Umweltschützer, gegen den erbitterten Widerstand von Politik und Wirtschaft, geschafft haben zumindest die Illusion von unberührter Natur zu bewahren, gibt es zahlreiche Ver- und Gebote zum Schutze dieser Gebiete.

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Die Würm Richtung Süden

Auf meinen Wanderungen treffe ich immer wieder auf schöne Flecken Natur. Es gibt sie noch vereinzelt, die einsamen Plätze wo man Kraft tanken und die Natur geniessen kann. Je mehr man allerdings über Natur und Umwelt weiss, desto besser kann man leider auch an diesen Plätzen erkennen, daß das alles nur die Illusion von unberührter Natur ist.

Der Wald ist kein Urwald, sondern wurde vor langer Zeit aufgeforstet. Auf dem Weg zum einsamen Moorsee hat man einige Entwässerungsgräben überquert und der Fluss hätte eigentlich viel mehr Wasser, wenn er nicht im Oberlauf Wasser für ein Wasserkraftwerk abgegeben hätte.

Die Erkenntnis, dass es keine unberührte Natur mehr gibt ist schmerzlich, aber etwas anderes trifft mich mehr. Es gibt einen Grund, daß der Wald bewirtschaftet wird, oder dass ein See aufgestaut wird. Davon profitiere ich gerade in meinem warmen Wohnzimmer und dem guten Essen auf dem Holztisch.

Bei mir zerstört nachhaltig und augenblicklich zurück gelassener Müll das schönste Naturerlebnis. Auch in der Stadt finde ich herumliegenden Müll nicht toll. Aber er zerstört keinen wertvollen Moment, er erinnert nur daran wie wenig Gedanken sich manchen Menschen um ihre Umgebung oder Mitmenschen machen. In der freien Natur empfinde ich Müll viel schlimmer. Eine einzige Zigarettenkippe kann für mich einen Ort entweihen. Es zeigt wie wenig dieser Platz geschätzt wurde. Die Magie von einem wunderschönen Ort verschwindet durch zurückgelassenen Müll, zumindest für mich.

Liebe Raucher, was ist so schwierig daran eine Zigarettenkippe wieder mit zu nehmen oder zumindest in der Asche des Lagerfeuers zu vergraben? Eine Bierdose verschwindet auch nicht einfach, wenn man sie in den See wirft, auch wenn kein Pfand darauf ist. Trotz zahlreicher Versuche ist es noch niemanden gelungen Metallreste im Lagerfeuer zu verbrennen.

Bitte liebe Naturfreunde nehmt euren Müll wieder mit und sei er noch so klein. Es gibt den schönen Pfadfinderspruch, dass man bei seinem Rastplatz nichts zurück lässt, ausser den Dank an den Besitzer. Ich würde den Dank noch auf die Naturschützer erweitern, die dafür gekämpft haben, dass an dieser Stelle kein Gewerbegebiet mit anschliessender vierspuriger Erschliessungsstrasse entstanden ist.

Sicher ist nicht jeder Müll absichtlich weggeschmissen worden. Manches mag vergessen, verloren oder versehentlich über Bord gegangen sein. Aber das sollte um so mehr Ansporn sein, nicht auch noch absichtlich Müll in der Natur abzuladen. Ich habe bisher nicht systematisch den Müll anderer Leute mit genommen, sondern nur gelegentlich etwas entsorgt. Ein Grund dafür ist, dass mich vor dem Müll anderer Leute ekelt.

Auf der letzten Packrafttour auf der Würm sind mir einige Plastikabfälle aufgefallen, die sich am Ufer in Astwerk verfangen haben. Nicht viel, aber dennoch stört es meinen Naturgenuss. Ich habe deshalb den Entschluss gefasst bei der nächsten Tour auf der Würm den Müll einzusammeln. Damit kann ich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  1. Packraften
  2. Für folgende Paddler und natürlich mich die Tour schöner machen
  3. Meine eigenen Grenzen überschreiten und den Ekel vor fremder Leute Müll verringern

Ich parke das Auto in Leutstetten und laufe dem Moor entlang Richtung Starnberg. Im Gepäck habe ich mein Packraft und einen grossen Müllbeutel. An der Autobahnbrücke vor Starnberg lasse ich das Packraft zu Wasser. Der Müllsack liegt offen vor mir und muss nicht lange auf die Befüllung warten. Ich schätze, dass ich 90% des gesammelten Mülls im ersten Viertel der Strecke nach Leutstetten sammle. Wahrscheinlich ist der meiste Müll aus dem Starnberger See geschwämmt worden und hat sich dann bald im Ufergestrüpp verfangen. Mit dem Paddel kann ich auch entferntere Objekte im Uferbereich erreichen.

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Links unten ein Tennisball und recht oben Bibersport

Einiger Müll hat sich im Astgestrüpp tief verfangen und ist schwierig zu erreichen. Wenn ich etwas innerhalb ca. 1 Minute nicht ins Boot bekommen kann, bleibt der Müll wo er ist. Ich sammle auch nicht jeden Müll. Ein rotes Plastiktütchen, das genau so aussieht, wie die Tüten in den Plastiktütenspendern für Hundekot lasse ich schwimmen.

Bald ist die Mülltüte ziemlich voll. In Leutstetten angekommen sichte und sortiere ich den Müll. Der Müll wird ins Auto verladen und dann getrennt entsorgt.

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Gesammelter Plastikmüll

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Das zerbrochene Schild ist wahrscheinlich nicht absichtlich in der Würm entsorgt worden

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Zwei Tennisbälle. Wahrscheinlich war ein Hund nicht schnell genug den Ball wieder zum Besitzer zu bringen.

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Gläser und eine Red Bull Dose. Von wegen verleiht Flügel. Der Besitzer war offensichtlich zu blöd die Dose in einem Abfallbehälter zu entsorgen.

Neben den zu erwartenden Flaschen waren für mich die zwei Tennisbälle und sehr viel Verpackungsmüll überraschend. An mehreren Stellen habe ich Luftpolsterpäckchen gefunden, die zum Paketversand verwendet werden.

Wenn jeder Outdoorfreund, sagen wir einmal im Jahr, in seinem Lieblingsgebiet systematisch Müll einsammeln würde, wäre das nicht nur ein schönes Zeichen, sondern würde unsere Natur wieder ein Stück herstellen und bewahren. Ich werde es versuchen. Wer macht noch mit?

Nachtrag vom 19.04.2016: Die Streunerin hat ebenfalls einen Beitrag zum Thema Müll einsammeln erstellt und entsprechende Aktionen verlinkt. Im Blog findet man auch schöne Bergtourenberichte.

Nachtrag vom 09.08.2016: Müllsammelaktion in Finnland

2 Gedanken zu “Packraften und Müll einsammeln

  1. Traurig traurig. Ich versteh es auch nicht. Kann nur immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich den Unrat in der Natur sehe. Ein wunderbarer Artikel und super deine Aktion!! Finde ich toll. Wenn ich unterwegs bin, habe ich ab und an eine Tüte dabei und sammel nebenher den Mist ein. Das werde ich auch weiterhin tun. Und ja jeder Outdoorfreund kann da gerne behilflich sein 🙂
    Viele Grüsse. Conny

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